Die Kritische Theorie und die Utopie der Liebe
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Die Kritische Theorie und die Utopie der Liebe

Die Kritische Theorie und die Utopie der Liebe

Es gibt wohl kaum ein anderes Thema, das in der Konsumentenkultur und im Marketing von Gütern mit solcher Besessenheit verwendet wird wie die Liebe. Bereits die Kritischen Theoretiker im Frankfurter Westend stellten dies fest bei Ihrer zeitdiagnostischen Analyse der Gesellschaft. Die Existenz der Liebe im kapitalistischen System geht kaum ohne die obligatorischen Love-Songs, die in der Konsumentenkultur den Kitt bilden, der die auseinanderstrebenden Individuen immer wieder zusammenkleben soll. Love sells - Liebe ist das Schmiermittel der Popkultur und eines reibungslosen Verkaufs. Liebe ist gern gesehen, gehört, und gefühlt. Liebe macht sich gut, auch wenn sie als schwierig und problematisch dargestellt wird. Liebe ist zum Wohlfühlen - und wehe, sie ist es nicht: Da gibt es viele Psychologen, Frauenzeitschriften und Ratgeberliteratur, die erzählen, wenn du dich nicht gut fühlst, dann ist die Beziehung nicht richtig für dich - gib\' sie auf. Das mag gut oder schlecht sein, aber das hat sich geändert: Die Verbindung von Leiden und Schmerz mit dem Gefühl der Liebe ist verschwunden.

Die Frankfurter Schule stellt die Liebe auf den Prüfstand der Gefühle: Liebe auch als Gegenpol zur durchrationalisierten Gesellschaft, als Refugium, in dem Individualität, Freiheit und schöpferische Kräfte sich entfalten könnten. Aber wird das überhaupt noch gesucht? Schließlich nimmt die Zahl der Alleinlebenden ständig zu. Es handelt sich nach der Einsicht in die heute dafür relevanten Studien eher um so etwas wie eine Umentwicklung von Zweierbeziehungen hin zu partnerschaftlichen Zweckverbänden. Es existiert so etwas wie eine gewisse neue Nüchternheit in Beziehungen, die dazu führt, dass der Individualismus, das Bekümmern um die jeweils eigenen Absichten und die eigenen Lebenspläne, so etwas wird wie ein von beiden Seiten akzeptiertes Verlangen. Die großen Singlebörsen jedenfalls suchen diesem Trend entgegenzuwirken.
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Autor: Gabriele Witzleben
11. May. 2009